Die Psychoanalytische Ausbildung
am Frankfurter Psychoanalytischen
Institut

Zugangsberufe und Abschlüsse: 

Ärzte, Diplom-Psychologen und in Ausnahmefällen auch Angehörige anderer akademischen Berufe mit besonderem Interesse an der Psychoanalyse können sich am Frankfurter Psychoanalytischen Institut berufsbegleitend zum Psychoanalytiker ausbilden lassen. Die Ausbildung ist so aufgebaut, dass sie die Richtlinien der DPV und die internationalen Standards der IPA erfüllt, zugleich aber auch die Anforderungen des Psychotherapeutengesetzes (PTG) und die Vorschriften der Landesärztekammer. 

Auf diese Weise sind im Verlauf dieser Ausbildung zwei berufsrechtliche Abschlüsse möglich:

  • Für Ärzte die Zusatzbezeichnung „Psychoanalyse“
  • für Diplom-Psychologen die Approbation als Psychologische Psychotherapeuten in psychoanalytisch begründeten Verfahren (tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und analytische Psychotherapie). 

Mit dieser Qualifikation erwerben Ärzte und Psychologen die Berechtigung, die entsprechenden psychotherapeutischen Verfahren innerhalb der Gesetzlichen Krankenversicherung auszuüben, sofern sie nach der jeweiligen Bedarfsplanung eine Zulassung von der Kassenärztlichen Vereinigung bekommen. 

Ärzte und Psychologen, die bereits eine Qualifikation für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie besitzen, können am FPI in einem etwas kürzeren Ausbildungsgang die Zusatzqualifikation für analytische Psychotherapie erwerben.  

Angehörige anderer akademischer Berufe können mit der Ausbildung die Mitgliedschaft in der DPV erwerben, jedoch keine Berechtigung zur Teilnahme an der gesetzlichen Krankenversorgung, auch nicht während der Ausbildung; daher sind sie im praktischen Teil der Ausbildung auf privat zahlende Patienten angewiesen. Das kann einen erfolgreichen Abschluss der Ausbildung sehr erschweren.

Kosten

Um die Gesamtkosten für eine Ausbildung absolut zu kennen und um sie mit denen anderer Ausbildungen vergleichen zu können, sind nicht nur die Ausgaben, sondern auch die während der Ausbildung von den Teilnehmern erzielten Einnahmen zu berücksichtigen. 
Bedenken Sie also bei der Kalkulation der Kosten nicht nur die Ausgaben für Semestergebühren, Supervision und Selbsterfahrung/Lehranalyse, sondern auch, wie viel Sie für die von Ihnen im Rahmen der Ausbildung durchgeführten Behandlungen erhalten. Das FPI ist ein gemeinnütziger, von den Mitgliedern finanzierter Verein, der nicht gewinnorientiert arbeitet. Ein großer Teil der Institutskosten wird durch die Mitglieder getragen, wodurch die Auszubildenden den relativ hohen Anteil von 93,5 % (z.Zt. ca. 70.-€ pro Behandlungsstunde) der Kassenhonorare erhalten.

 

Obenstehende Übersicht veranschaulicht das Verhältnis von Kosten und Einnahmen bei der berufsbegleitenden DPV-Ausbildung und einer Mindestausbildungsdauer von fünf Jahren. Sie können daraus ersehen, dass die Einnahmen nach der Vorprüfung („Vorkolloquium“) im dritten Ausbildungsjahr deutlich ansteigen, wobei die zugrunde liegenden Ausbildungsbehandlungen dann allerdings auch mit einem erheblichen zeitlichen Aufwand verbunden sind.
Häufig dauert die vollständige Ausbildung nach den DPV-Richtlinien länger als fünf Jahre, es ist dann jedoch in einem Zwischenschritt möglich, schon zuvor eine vollgültige Krankenkassenzulassung zu erhalten.

Die Inhalte der Ausbildung

Die psychoanalytische Methode

Freud sah die Entstehung psychischen Leidens in der unvermeidlichen Konflikthaftigkeit der menschlichen Entwicklung begründet. Psychische Symptome können entstehen, wenn innere Konflikte und schmerzliche Erfahrungen unzureichend bewältigt werden, wobei die innere Dynamik, die das psychische Leiden aufrechterhält, dem Menschen unbewusst bleiben kann. In der psychoanalytischen Behandlung hat der Patient die Aufgabe, ohne Zensur das auszusprechen, was in ihm vor sich geht (freie Assoziation), eine Aufgabe, die im Laufe der Behandlung erst mühsam erlernt werden muss. Die analytische Situation ist eine persönliche Begegnung zwischen Patient und Analytiker. Die Erfahrung zeigt, dass das Sprechen, Handeln des Patienten und seine Gefühle von seinen Lebensgeschichte, seinen Lebenserfahrungen geprägt sind und v.a.  unbewusst eine Wiederholung dieser Erfahrungen darstellen. Die Aufgabe des Analytikers ist es, die unbewussten Bedeutungen der verbalen und averbalen Mitteilungen des Patienten aufzugreifen und so dem Patienten einen besseren Zugang zu seinem inneren Erleben zu ermöglichen. Das soll den Patienten in die Lage versetzen, angstfreier und flexibler mit seinen emotionalen Konflikten umzugehen.

Mit seinem Ansatz hat Freud psychisches Leiden aus dem Randbereich der zu seiner Zeit vorherrschenden Degenerationskonzepte herausgeholt und in eine Theorie normaler menschlicher Entwicklung und der zu ihr gehörenden Gefährdungen überführt. Zugleich hat er auf die Fähigkeiten des Patienten gesetzt, zu seiner Entwicklung / Heilung beizutragen, da es in der Psychoanalyse wie in allen von ihr abgeleiteten Verfahren auf die aktive Mitarbeit ankommt.. Die Beziehung zwischen Psychoanalytiker und Patient unterscheidet sich damit grundlegend von der herkömmlichen Arzt-Patient-Beziehung: Während sich der Patient in der medizinischen Behandlung dem Wissen seines Arztes vertrauen soll, geht es in der psychoanalytischen Behandlung um das Wissen, das der Patient mit Hilfe des Psychoanalytikers über sich selbst gewinnen kann. Der Analytiker tritt dem Patienten dabei nicht mit der Autorität eines überlegen Wissenden gegenüber, sondern stellt ihm seine emotionale Resonanzfähigkeit  zur Verfügung, um ihm zu einem besseren Selbstverständnis zu verhelfen. 

Dieser Prozess braucht Zeit, denn die heilsame Veränderung ist nicht in erster Linie Ergebnis intellektueller Einsicht, sondern von emotionaler Beziehungserfahrung. Im Gegensatz zu den vorherrschenden Tendenzen zur kurzfristigen psycho-technischen Beseitigung von Störungen oder Defekten betont die Psychoanalyse die Notwendigkeit, sich für die Auseinandersetzung mit sich selbst Raum und Zeit zu nehmen. Heilend wirken dabei nur erlebte Einsichten, die mit starken Emotionen verbunden sind und in der Beziehung zum Analytiker wieder lebendig werden. Traumatische Erfahrungen und verdrängte unbewusste Konflikte werden in der aktuellen Behandlungssituation wiedererlebt,können in Worte gefasst und dann verstanden werden. Die dichte Beziehung zwischen Patient und Analytiker, die sich im Rahmen von mehreren Sitzungen in der Woche über längere Zeit entfaltet, wird so zum Ort für psychische Veränderung.

Die drei Säulen der psychoanalytischen Ausbildung

Die Ausbildung zum Psychoanalytiker ist in Frankfurt, wie in allen anderen psychoanalytischen Instituten der Welt, von dem oben geschilderten Verständnis des psychischen Leidens und der Möglichkeiten psychischer Veränderung abgeleitet. Seit den Anfängen der psychoanalytischen Ausbildung in Berlin in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhundert gehören zur Ausbildung drei Säulen: die eigene Psychoanalyse - die sogenannte „Lehranalyse“ des Ausbildungskandidaten, die theoretischen Ausbildung und die praktischen Ausbildung, bei der unter Aufsicht („Supervision“) eines erfahrenen Analytikers eigene Behandlungen durchgeführt werden.  

Lehranalyse

Da, wie oben geschildert, der Umgang mit unbewussten Konflikten und Ängsten die Grundlage der psychoanalytischen Arbeit bildet, ist die Schulung der Wahrnehmung für unbewusste psychische Prozesse zentral bei dem Erwerb der psychoanalytischen Qualifikation. Der beste Weg dafür ist die eigene Analyse. Denn nur wer sich selbst mit seinen eigenen Gefühlen, Ängsten und Konflikten auskennt, wird die Antennen entwickeln, Entsprechendes bei seinen späteren Patienten zu spüren und zu verstehen, ohne sich dabei mit ihnen zu verwechseln und den Patienten die Last seiner eigenen unbewältigten Konflikte aufzubürden. Die Lehranalyse steht am Beginn der Ausbildung, noch vor dem praktischen Teil der Ausbildung, damit der künftige Analytiker zunächst eine gewisse Klarheit im Umgang mit seinen eigenen Konflikten erlangt. Sie soll sich dann auch über den größten Teil der praktischen Ausbildung erstrecken, damit der angehende Analytiker einen Ort hat, an dem er bearbeiten kann, was die Arbeit mit Patienten in ihm emotional aufwühlt. Sie sollte auch ein Stück vor der theoretischen Ausbildung beginnen, damit das emotionale Geschehen nicht durch Theoretisierungen und Intellektualisierungen blockiert wird. 

Theoretische Ausbildung

In der theoretischen Ausbildung im Rahmen von Seminaren werden die Grundlagen der psychoanalytischen Krankheitslehre, der Entwicklungspsychologie, der Theorie der Behandlung und der Theorie der Gesellschaft und Kultur erarbeitet. Dabei soll nicht ein geschlossenes Theoriegebäude vermittelt werden, sondern ein Verständnis für die Psychoanalyse als eine Wissenschaft vom Menschen, die auf der Basis ihrer reflektierend aufgearbeiteten klinischen Erfahrung das Wissen um die Bedingungen der Entstehung psychischen Leidens sowie der Möglichkeit psychischer Veränderung stets zu erweitern und zu vertiefen sucht. 

Praktische Ausbildung

Die praktische Ausbildung beginnt mit dem sogenannten „Erstinterviewseminar“, in dem in einer kleinen Gruppe Erstgespräche mit Patienten bearbeitet werden. Es geht darum zu erfassen, wie sich bereits in dem ersten Kontakt mit Patienten eine gewisse „Szene“ entfaltet, eine bestimmte Form der Beziehungsaufnahme, der Gestaltung der Gesprächssituation, die erste Hinweise auf die unbewussten Nöte und Konflikte der Patienten geben könnten. Damit solche Phänomene spürbar werden, ist es wichtig, den Kontakt zum Patienten nicht mit eigenen Vorgaben und Aktivitäten zu bestimmen. Deshalb geht es schon in dem Interviewseminar um die Entwicklung einer grundlegenden psychoanalytischen Fähigkeit – der Fähigkeit zu einer zugewandt zuhörenden analytischen Haltung. Der Psychoanalytiker Theodor Reik hat diese Haltung als ein „Hören mit dem dritten Ohr“ beschrieben, ein Hören, das sich nicht eins zu eins auf das Gesagte bezieht, sondern in die Fugen und Risse des Gesagten hineinhört, die eine Tür zu dem vorher nicht bewusst Gedachten eröffnen kann.

Diese Art des Hörens findet über die innere emotionale Antwort des Psychoanalytikers statt, die „Gegenübertragung“, wie es in der modernen Psychoanalyse komplementär zu dem Begriff „Übertragung“ heißt, mit dem die emotionalen Angebote des Patienten auf seinen Analytiker gemeint sind. Im analytischen Prozess geraten so beide Beteiligten in eine emotionale Verbindung, manchmal auch Verwicklung, aus der es dann herauszutreten gilt, um wieder die verstehende, reflektierende Position einzunehmen, die den Weg zur Veränderung bahnt. Dieser Prozess der Verwicklung und Ent-Wicklung fordert vom Analytiker eine fortdauernde Reflexion des Geschehens, eine Aufgabe, auf die er während der praktischen Ausbildung im Rahmen der Supervision intensiv vorbereitet wird. Jede analytische Behandlung, die Ausbildungskandidaten im Rahmen ihrer Ausbildung durchführen, wird wöchentlich dem Supervisor, einem erfahrenen Analytiker, vorgestellt. Diese dichte Begleitung hilft dem angehenden Psychoanalytiker, den nötigen Positionswechsel zu vollziehen zwischen der notwendigen Involvierung in das Beziehungsgeschehen und der Schaffung des für das Reflektieren nötigen Abstands . Die Ausbildungskandidaten erleben dabei, wie hilfreich die Unterstützung eines außenstehenden Dritten ist, der das analytische Paar in diesem schwierigen Prozess begleitet. Diese wichtige Erfahrung führt dazu, dass die meisten Psychoanalytiker nach dem Ende der Ausbildung sich intensiv mit Kollegen über ihre psychoanalytische Arbeit  austauschen. 

Der Beginn der Ausbildung setzt eine erfolgreiche Bewerbung (da muss ein link erfolgen zu den Bestimmungen) voraus und ist grundsätzlich zu jeder Zeit möglich. 

Über das Sekretariat des Instituts erhalten Sie weitere Informationen:
Telefon: 069-174628
Mo von 10:00 – 12:00 Uhr, Ansprechpartner Monika Stegmayer
E-Mail: monika.stegmayer (at) fpi.de